Auslandspraktikum Dublin 28.6.-23.8.26
Woche 1:
Mein Auslandspraktikum in Dublin begann, wie nicht anders zu erwarten, mit einem ausgefallen Zug, der mich fast meinen Flug gekostet hätte. Eine ca. 50€ teure Taxifahrt, die ich mir glücklicherweise mit zwei ebenso Gestrandeten teilen konnte, und einem Sprint durch den Flughafen später, schaffte ich es doch noch einigermaßen pünktlich zu meinem Gate.Von hieran sollte es nur noch bergauf gehen.
Gelandet in Dublin wurde ich von meiner Gastfamilie empfangen. Vicky und John holten mich mit dem Auto ab und führten mich in mein Zuhause für die nächsten 8 Wochen. Dort erhielt ich ein typisch irisches Frühstück, welches aus Toast mit Butter, Bacon, Spiegelei und Tee bestand. Daraufhin ließ ich keine Zeit verloren gehen und machte mich gleich ans Erkunden. Mein erstes Ziel war die Dubliner Innenstadt. Da sich mein Praktikumsplatz ebenso im Zentrum befindet, nutzte ich die Gelegenheit, um meinen zukünftigen Weg zur Arbeit auszuprobieren. Andere Sehenwürdigkeiten, die ich abklapperte waren u.a. „The Spire“, eine 121m hohe, nadelförmige Statur, der Stephen’s Green Park und das Stephens Green Einkaufszentrum. Zudem verschlug es mich in das lebhafte „Temple Bar“ Viertel.
Der öffentliche Nahverkehr in Dublin ist einer der besten in ganz Irland und besteht hauptsächlich aus Bus, Zug und Tram. Zusammengefasst werden diese unter „Transport for Ireland“ oder „TFI“. Anderswo in Irland und vor allem in ländlichen Regionen ist man definitiv aufs Auto angewiesen. Trotz der guten Anbindungen muss durch das hohe Verkehrsaufkommen im Zentrum in der Regel mit einer Verspätung von 15-20 Minuten gerechnet werden. Dies sollte ich auf die harte Tour lernen, da ich, trotz einer Pufferzeit von 20 Minuten, meinen Arbeitsplatz nur gerade so pünktlich erreichte. Glücklicherweise wird Pünktlichkeit in Irland weniger groß geschrieben als in Deutschland. Empfangen wurde ich von Paul, dem Sales-Manager. Er stellte mich dem Team vor. Das Commercial Team des Conrad Dublin, einem Luxushotel der Hilton-Reihe, besteht aus neun Leuten, die jeweils für unterschiedliche Bereiche zuständig sind. Darunter fallen Reservierungen, Sales und Marketing. Meine erste Station waren Reservierungen. Hierfür wurde ich zunächst dazu beauftragt, Katie (Reservation Agent) bei ihrer Arbeit zu beschatten. Eine der Hauptaufgaben ist es, die Reservierungen vom Vortag (Reservations made yesterday, RMY) in das Verwaltungssystem „OnQ“ einzupflegen. Hierfür werden die sogenannten Reports in Excel exportiert und einkategorisiert. Einige Gäste erhalten einen VIP-Status, der ihnen besondere Vorzüge verspricht, z.B. verfrühtes Check-In oder ein Zimmer-Upgrade. Diese werden im System vermerkt. Des Weiteren müssen die Kreditkarten autorisiert werden, was ebenfalls über OnQ erfolgt. Bis alle Reservierungen eingepflegt sind, vergehen gerne ein paar Stunden. Zum Ende des Tages müssen Reservierungen von Gästen überprüft werden, die am nächsten Tag eintreffen. Hierbei werden nur letzte Kleinigkeiten überarbeitet. Mit dieser Aufgabe beschäftige ich mich für den Rest der Woche.
Das Wochenende verbrachte ich im Grünen. Irland ist bekannt für seine Natur, welche ich mit einer Tour in die Berge erkundete. Für mich ging es in das Wicklow Gebirge, welches sich im Süden Dublins befindet. Hierfür buchte ich eine geführte Tour, da ich mir als absoluter Stadtmensch eine Wanderung durch die Berge auf eigene Faust nicht zutraute. Die Ruhe und der Frieden, den ich während meines Aufenthalts im Freiem empfand, waren unvergesslich und haben den perfekten Abschluss meiner ersten Woche in Dublin ausgemacht.
Woche 2:
In meiner zweiten Woche fühlte ich mich mittlerweile angekommen. Meine täglichen Routen ging ich ohne Google Maps ab, den Busplan hatte ich verinnerlicht und die Namen meiner Kolleg*innen saßen mittlerweile.
Arbeitstechnisch war bei mir in dieser Woche eher wenig los. Um das Verwaltungssystem OnQ freizuschalten und mir den vollständigen Zugriff zu ermöglichen (zuvor habe ich die Log-In Daten meiner Kolleg*innen genutzt) musste ich ein Trainingsprogramm absolvieren, das von der sog. Hilton-University erstellt wurde. Dieses Programm umfasst über 20 Lerneinheiten, die sich leider absolut in die Länge ziehen und mich die ganze Woche beschäftigt haben. Ad hoc habe ich einige kleine Aufgaben übernommen, um meine Kolleg*innen zu unterstützen.
Zum Wochenende verschlug es mich in den Süden. Mit einem Reisebus bin ich bis nach Waterford gefahren, eine Kleinstadt mit lebendigen Kern. Dies war aber nicht mein Endziel. Für mich ging es in die Küstenstadt Tremore, welche etwa eine halbe Stunde mit dem ÖPNV entfernt ist. Da ich auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit war, suchte ich mir einen einigermaßen verlassenen Strand aus. Dort genoss ich die Seeluft, den Sonnenschein und das Geräusch der brechenden Wellen. Das Wetter zeichnete sich durch nahezu mediterrane Temperaturen aus. Der irische Süden schrieb unerhörte 30 Grad. Nach einiger Zeit entscheid ich mich für eine kleine Wanderung zum nächstgelegenen Strand. Nach etwa anderthalb Stunden landete ich am beliebten Tremore Beach, woran ein Jahrmarkt mit Achterbahn, Riesenrad und weiteren Attraktionen grenzt. Den Abend schloss ich mit einer Portion Fish and Chips und Eis am Stil ab, bevor es für mich mit dem Reisebus zurück nach Dublin ging.
Sonntag ging ich es ruhiger an. Dublin bietet eine Vielzahl an Flohmärkten mit einer riesigen Auswahl an secondhand Artikeln. Dort konnte ich mich mit neuem Schmuck ausstatten. Zum Mittagessen habe ich ein beliebtes irisches Streetfood probiert - Chicken Filet Roll. Hierfür spreche ich an dieser Stelle meine Empfehlung aus. Ausklingen lassen habe ich den Abend am Royal Canal, einem der durch Dublin fließenden Flüsse, mit einem anschließenden Spaziergang nachhause.
Woche 3:
Meine dritte Woche des Praktikums verbrachte ich hauptsächlich damit, Vorarbeiten für die Abwesenheiten zweier Kolleg*innen zu leisten. Diese würden in den darauffolgenden Wochen in den Urlaub gehen, was das verbleibende Team mit Mehrarbeit lässt. Hierfür überprüfte ich vor allem die Reservierungen der Neuankömmlinge der nächsten Tage und vernahm kleine Überarbeitungen. Mir wurde zudem eine neue Aufgaben zu Teil. Über das Email-Postfach kam eine Anfrage eines Unternehmen für eine Gruppenreservierung. Dies habe ich übernommen. Hierfür überprüfte ich die Preise und sendete dem Unternehmen und unverbindliches Angebot. Nachdem dieses angenommen wurde, pflegte ich die Reservierungen im System ein und übersandt eine Buchungsbestätigung an die zuständige Person. In dieser Woche wurde zudem das vierteljährliche Performance Review Meeting abgehalten. Jedes Quartal kommt das Team zusammen und es werden die erzielten Profite aus den vorherigen Quartalen und zum selben Zeitpunkt aus dem letzten Jahr miteinander vergleichen. Das Conrad Hotel vermachte ein deutliches Plus und konnte sich gegenüber der Konkurrenz um ein Vielfaches durchsetzen. Bei dem Meeting wurde außerdem die neue Leitlinie für Service und Mitarbeit vorgestellt. Unter dem Motto „Human Connection“ soll zukünftig sämtliche Arbeit verrichtet werden. Dies soll sich nicht nur im Umgang mit Gästen widerspiegeln, sondern auch mit Partnern und innerhalb des Teams. Zu diesem Anlass lud uns Nicky, die Managerin des Commercial Teams, zu einem Pub Abend ein, bei dem ein Quiz abgehalten wurde, um den Zusammenhalt im Team zu stärken.
Das Wochenende verbrachte ich, mal wieder, im Grünen. Samstag machte ich mich auf zu einem Klippenspaziergang nördlich von Dublin. Hierfür fuhr ich mit dem Bus in die Kleinstadt Potrane und nahm von dort an der Küste entlang eine etwa 5km lange Route zum Donabate Beach und wieder zurück auf. Eins muss ich Irland jedoch lassen. Der Busfahrplan scheint lediglich ein Vorschlag zu sein. Bevor ich in Potrane ankam, musste ich etwa eine Stunde auf den einzigen Bus, der mich zu meinem Ziel führt, warten. Dieser sei laut Anzeige pünktlich abgefahren, doch von dem Bus fehlte jede Spur Die Szenerie an der Küste entlang war atemberaubend und ließ mich den zu wünschen übrig lassenden ÖPNV schnell vergessen. Da ich an dem Wochenende nicht genug von Klippen bekommen konnte, ging es für mich am Sonntag zu einem der dramatischsten Aussichtspunkten in ganz Irland - die Cliffs of Moher. Um 6.55 Uhr fuhr der Reisebus gen Westen ab. Etwas über drei Stunden später erreichten wir den Atlantik und eines der beeindruckendsten Naturphänomene, die ich mit eigenen Augen sehen durfte. Wir verbrachten 2 Stunden dort, bevor unsere Reisegruppe den Wild Atlantic Way hoch nach Galway fuhr, wo uns weitere 2 Stunden zum erkunden gegeben wurde. Diese Stadt ist voller Leben mit Straßenmusikern an jeder Ecke, Geschäften voller Antiquitäten und Meereskost frisch aus dem Atlantik.
Woche 4:
In meiner vierten Woche war Einiges los. Ich habe die Vertretung zweier Kolleg*innen übernommen. Meine Aufgaben bestanden aus der gewohnten Bearbeitung der neu eingetroffenen Reservierungen und der Check-Ins der nächsten Tage. Eine neue Aufgabe war die Erstellung von Rechnungen. Unternehmen fragten diese per Mail an. Daraufhin schlug ich die jeweiligen Reservierungen aus OnQ heraus, kopierte die Rechnung in eine vorgefertigte Vorlage und versandte die Mail. Mittlerweile arbeite ich völlig selbstständig und kann mir Fragen selbst beantworten. Nur, wenn ich auf unbekanntes Territorium stoße, schalte ich Hilfe ein, die meine Kolleg*innen mehr als bereitwillig zur Verfügung stellen. Ich durfte außerdem einen neuen Bereich kennenlernen. Ronan ist für Veranstaltungen im Conrad Dublin zuständig. Dieses stellt größere Säle zur Verfügung, beispielsweise für größere Meetings oder Feiern von Unternehmen. Er hat mir gezeigt, was vom Eingang der Anfrage bis hin zum unterschriebenen Vertrag passiert. Interessent dabei ist, dass er für bestimmte Tage je nach Gruppengröße eine höhere Kommission bekommt und sich deswegen zweimal überlegt, an welche Gruppe er die zur Verfügung stehenden Räume vergibt. Wenn in Dublin bestimmte Events stattfinden (z.B. St. Patricks Day), wird eine höhere Nachfrage erwartet, was die Preise in die Höhe treibt. Um den Profit maximal zu steigern, soll dementsprechend an Gruppen vermietet werden, die bereit sind, den höchsten Betrag zu zahlen. Weiterhin wurden meine Bastelkünste gefragt. Alex, der Marketing Manager, tat der Küche einen Gefallen, indem er für das Frühstücksbuffet Schilder mit Allergenen gestaltet hat. Er bat mich, diese so akkurat wie möglich auszuschneiden, was tatsächlich relativ Zeit in Anspruch genommen hat. Gleichzeitig hat sich die volle Konzentration aufs Ausschneiden als meditativ herausgestellt.
Mein Wochenende war durchgeplant. Ausgestattet mit neuzugelegter Wanderausrüstung ging es für mich erneut in die Berge - dieses Mal auf eigene Faust! Mich verschlug es in die Dublin Mountains, wo ich mich dem ersten Streckenabschnitt des sogenannten Wicklow Way stellte. Dieses besteht aus 4 Abschnitten und führt durch das Wicklow-Gebirgige. Der gesamte Pfad dauert etwa vier Tage. Ich habe die ersten 10 Kilometer bestritten und somit mit dem Rückweg 20 Kilometer zurückgelegt. Den Muskelkater werde ich noch eine Weile spüren, aber für diese Aussicht würde ich es jedes Mal aufs Neue auf mich nehmen! Die Landschaft wechselte von Wald zu Weide bis hin zu Gebirge. Am höchsten Punkt des Streckenabschnitts angekommen, konnte ich über die gesamte Stadt schauen und hatte sogar Meeresblick bis nach Howth. Ich bin nur wenigen Menschen während meiner Wanderung begegnet und habe ehrliche Ruhe genießen können. Die Menschen, denen ich begegnet bin, begrüßten mich allesamt mit einem typisch irischen „Hello, how are you?“. Dies ist ein kleiner Kulturschock für mich, da ich es aus Deutschland gewohnt bin, dass Menschen eher in sich gekehrt sind und oberflächlichen Smalltalk meiden. Die offene Art der Iren werde ich definitiv vermissen.
Eine Sensation hat sich tatsächlich am Abend auf dem Weg nachhause zugetragen. Seit meiner Ankunft bot das Wetter stets Sonnenschein und blauen Himmel. Vier Wochen lang fiel kein einziger Tropfen vom Himmel, was den ein oder anderen Iren fast schon in Panik versetzte und mir die Unterstellung einbrachte, ich hätte die Sonne mitgebracht. Zum allerersten Mal hat es geregnet. Glücklicherweise während ich im Bus saß, aber ich habe hautnah den typisch irischen Wetterumschwung miterleben dürfen, was mich leicht euphorisch gemacht hat. Nun habe ich Dublin in seiner wahren Pracht gesehen. Dass ich mich je über Regen freuen würde, schafft auch nur Irland!
Am Sonntag nahm ich eine städtische Wanderung vor. Da ich ganz im Norden lebe, habe ich die Südseite Dublins bisher nur angeschnitten. Dies wollte ich ändern. Südlich des Flusses Liffey befinden sich einige lebhafte Bezirke. Zunächst ging es ich für mich ins Zentrum, wo ich die National Gallery erkundete und altertümliche Kunst aus Irland betrachtete. Danach führte es mich in das Natural History Museum, wo die Geschichte Irlands anhand archäologischer Befunde erzählt wurde. Weiterhin machte ich mich durch den St. Stephen‘s Green Park auf den Weg nach Rathmines, wofür ich Portobello durchquerte. Die Straßen sind gefüllt mit Kleingeschäften, Pubs und Restaurants. Die Häuser sind geschmückt mit Blumenbouquets und Lichterketten. Eine wirklich traumhafte Ansicht. Spontan entschied ich mich dazu, das erste Mal alleine ins Kino zu gehen und mir den neuesten Toy Story Film anzuschauen (ich habe ein paar Tränen verdrückt :‘) ). Danach machte ich mich auf in Richtung Ballsbridge und erkundete den Herbert Park, der Enten beherbergt. Etwa 20.000 Schritte später schlug ich letztendlich den Weg nachhause ein.
Es ist offiziell Halbzeit und ich merke, wie sehr ich mich eingelebt habe. Der Gedanke, meinem Leben hier baldig den Rücken kehren zu müssen, erfüllt mich mit Trauer. Ich versuche aber jeden Moment zu genießen und aus meiner verbleibenden Zeit das Beste zu machen.
Woche 5:
Meine fünfte Woche war besonders ereignisreich. Arbeitstechnisch übernahm ich weiterhin die Vertretung eines Kollegen, der noch bis zum Ende der Woche im Urlaub war. Ad hoc übernahm ich einige kleinere Aufgaben, z.B. die Erstellung und Verschickung von Rechnungen oder die Überprüfung der Verfügbarkeit von sogenannten Family Rooms. Family Rooms sind bei der Bearbeitung von Reservierungen eine Besonderheit, weil es im Conrad Hotel prinzipiell keine Zimmer gibt, die mehr als drei Menschen beherbergen können (abgesehen von der Presidential Suite). Stattdessen werden zwei Zimmer miteinander verknüpft, indem eine Verbindungstür vom Zimmerservice geöffnet werden muss. Bei der Bearbeitung dieser Reservierungen ist es meine Aufgabe, die Reservierung auf die zwei Zimmer zuzuteilen, nachdem ich überprüft habe, ob solche Verbindungszimmer überhaupt verfügbar sind. Für den Fall, dass es Engpässe gibt, müssen Gäste auf andere Zimmer verlegt werden, die demselben Preis entsprechen. Gibt es solche Zimmer nicht mehr, bekommen sie ein Upgrade. Nach der Zuordnung hinterlasse ich für den Zimmerservice die Nachricht, bitte die Verbindungstür vor Eintreffen der Gäste zu öffnen.
Am Donnerstag trug sich ein besonderes Event zu. Der gesamte Juli stand im Rahmen der Wertschätzung des Commercial Teams. Dies bedeutete kleine Geschenke, Kuchen und Snacks als Dankeschön an Verschiedenen Tagen im Juli. Das Highlight war allerdings ein Ausflug zu einem Virtual Reality Erlebnis. Eine Stunde vor Feierabend machten wir uns zunächst auf zu einem Pub (der Klassiker) und gingen von dort zur sog. Sandbox VR. Dieses bietet verschiedene Möglichkeiten, in eine virtuelle Realität einzutauchen, die verknüpft mit Teamspielen ist. Die meisten davon sind tatsächlich eher gruselig gestaltet. Meine Gruppe entschied sich für ein Fantasy-Abenteuer, mit dem Ziel, Monster und Drachen zu töten. Bewaffnet wurde ich mit einer Armbrust, wohingegen meine Teammitglieder auf Schwerter zurückgriffen. Eine halbe Stunde lang kämpfen wir uns durch verschiedene Hürden, bis wir siegreich hervorkamen. Es war mit unglaublich viel Spaß verbunden und hat das Team näher zusammengerückt.
Auch mein Wochenende war besonders erlebnisvoll. Am Samstag ging es für mich erneut in die Berge. Dieses Mal führ ich mit der DART (äquivalent zur S-Bahn) bis nach Bray, eine kleine Küstenstadt südlich von Dublin in der Grafschaft Wicklow. Dort bestieg ich den sogenannten Bray Head, welcher sich als besonders steil herausstellte. Der Herausforderung habe ich mich jedoch erfolgreich gestellt und durfte eine wunderschöne Aussicht über die Stadt und das Meer genießen. Meine Route führte mich weiterhin zum Little Sugar Loaf Mountain, welcher dem Wicklow-Gebirge angehört. Auch hier überwand ich steile Pfade, konnte aber an der Spitze angekommen eine noch schönere Aussicht und vor allem absolute Ruhe geniessen.
Für mich ging as an dem Tag etwas früher nachhause, da ich auch am Sonntag große Pläne hatte. Hierfür musste ich um 5 Uhr morgens aufstehen, denn es führte mich nach Nordirland! Mein Hauptziel war die Straße der Riesen (Giants Causeway). Dies stellte sich als atemberaubendes Naturphänomen heraus. Den Anblick der riesigen Klippen und des Gesteins am Wasser werde ich so schnell nicht vergessen. Weiterhin führte meine Tour uns noch zu den Dark Hedges, einem Drehort von Games of Thrones, und der Hauptstadt Belfast. Dort ließ ich den Abend ausklingen, bevor es wieder zurück nach Dublin ging.
Ganz Irland wurde in dieser Woche ein verlängertes Wochenende gegönnt, denn am Montag war ein sogenannter Bank Holiday, welcher den meisten arbeitenden Menschen einen extra freien Tag zur Verfügung stellt. Diesen habe ich für einen langen Spaziergang durch Dublin genutzt. Angefangen im Phoenix Park (dem größten Stadtpark der Welt) bis hin zum Hafen. Somit habe ich Dublin einmal von West nach Ost durchquert.
Woche 6:
Meine sechste Woche in Dublin gestaltet sich als vielseitig. Neben den altbewährten Aufgaben, wurde mir in dieser Woche eine neue Aufgabe aus dem Bereich Vertrieb gegeben. Paul, der Sales Director, erklärte mir äußerst umfangreich die Objektive und Ziele des Vertriebs im Conrad vor. Er stellte mir Plattformen vor, die genutzt werden um z.B. die Zahlen der Konkurrenz im Blick zu behalten und zeigte mir diverse Tabellen, die die Umsätze des Conrads der letzten Jahre miteinander vergleichen. Die Hauptaufgabe des Sales-Team liegt in der Umsatzsteigerung. Um dies zu erreichen, werden aktiv Partnerschaften mit bspw. Reiseagenturen und Unternehmen gesichert, welche dem Conrad Gäste bringen. Reiseagenturen erhalten bei jeder vermittelten Reservierung eine Provision. Unternehmen profitieren von ihrer Loyalität gegenüber dem Conrad mit vergünstigten Preisen oder Vorteilen beim Check-In. Dieses Netz an Partnerschaften soll erweitert und weltweit umgesetzt werden. Hierfür benötigt das Sales-Team eine Datenbank mit potenziellen Partnern. Kontakte werden beispielsweise auf Konventionen und Messen geknüpft. Für die jeweiligen Veranstaltungen werden separate Excel-Tabellen geführt. Dies ist jedoch ineffizient, da es die Suche nach bestimmten Kontaktdaten erschwert. Um den Prozess zu vereinfachen beauftragte mich Paul mit der Erstellung einer vollständigen Datenbank, die alle Informationen in einer Excel-Tabelle aufgeteilt in verschiedene Kategorien auflistet. Die Kontaktdaten werden u.a. nach Wirtschaftsraum unterschieden. Paul erstellte einen Ordner, der eine vorgefertigte Master-Tabelle und die separaten Listen enthält. Meine Aufgabe bestand darin, die Listen zu einer großen Datenbank zusammenzuführen. Bei den Listen handelt es sich um Tabellen, die teilweise einen Umfang von 1500 Reihen haben. Dazu kommen physische Visitenkarten, die ebenfalls in die Datenbank aufgenommen wurden müssen. Diese Aufgabe ist äußerst umfangreich und hat mich bis zum Ende meines Praktikums beschäftigt.
Am Wochenende ging es für mich wieder in den Süden. Ich machte mich mit dem Reisebus auf nach Cork, was etwa 3 1/2 Stunden von Dublin entfernt liegt. Dort besuchte ich den Englischen Markt, wo es eine Vielzahl an Essen gibt. Zudem klapperte ich einige Second-Hand Geschäfte ab. Mein Highlight war jedoch mein Kurztrip in die kleine Hafenstadt Cobh, welche 25 Minuten von Cork mit dem Zug entfernt liegt. Dort besuchte ich u.a. das Titanic Museum. Die Titanic machte in Cobh ihren letzten Zwischenhalt, bevor sie Richtung New York über den Atlantik aufbrach. Der originale Anlegeort wurde in eine Ausstellung umgewandelt. Zurück in Cork machte ich mich auf zum Marina-Market, wo ich gestärkt mit Abendessen (Musscheln auf Toast, 10/10), einen Spaziergang entlang der Marina-Promenade machte und dann allmählich gen Bus stolzierte. Um etwa 22.30 Uhr war ich wieder in Dublin. Mittlerweile breitet sich dabei bei mir ein Gefühl von zuhause ankommen aus. Dies werde ich zutiefst vermissen.
Am Sonntag ging ich, so wie bei jeder Gelegenheit, wandern. Mit dem Bus fuhr ich nach Dún Laoghaire (don lee-ree), einem Stadtteil im Süden von Dublin, der direkt an den Hafen anbindet. Dort findet jeden Sonntag ein Markt statt, wo ich Geschenke für meine Familie besorgte und Mittag aß, bevor ich für meine Wanderung aufbrach. Von dort aus bestritt ich einen ca. 15 Kilometer langen Rundweg, der mich am Strand entlang nach Dalkey und letztendlich zum Killiney Hill und wieder zurück führte. Der grüne Hügel glich einem Paradies und die Sicht von oben aufs türkise Meer ließ mich fühlen wie auf Hawaii. Die diversen Landschaften, welche in kürzester Zeit von Dublin zu erreichen sind in Verbindung mit dem lebhaften Stadtleben sind, was ich am meisten an Irland wertschätze.
Woche 7:
Mit Beginn der letzten Woche neigt sich meine Zeit in Irland allmählich ihrem Ende. Umso kostbarer ist jede Sekunde, die ich hier noch verbringen darf.
Bei meinem Praktikum widmete ich mich weiterhin meinem Datenbank-Projekt. Dieses machte Fortschritte, doch die Menge an Informationen, die ich konsolidieren musste, schien nicht geringer zu werden. Immerhin war ich aber dauerhaft beschäftigt.
In dieser Woche fand ebenfalls die Sonnenfinsternis statt. Es wurde angesagt, dass sie gegen 19 Uhr in Irland zu sehen sein soll. Für die beste Sicht begab ich zur Ha‘Penny Bridge, welche die Nord- und Südseite über dem Fluss Liffey verbindet. An diesem Tag war der Himmel relativ klar, was keine Selbstverständlichkeit ist. Somit war die Sonnenfinsternis deutlich zu sehen und stellte ein wunderbares Spektakel dar.
Für das Wochenende plante ich etwas besonderes, worauf ich mich schon vor Beginn meines Praktikums freute. Eines meiner Traumziele in Irland ist das Mourne-Gebirge, welches sich im nordirischen Newcastle in der Grafschaft Down befindet. Dieses Naturschutzgebiet umfasst eines der atemberaubendsten Landschaften, die ich je mit eigenen Augen sehen durfte. Um das Gebiet in voller Gänze genießen zu können, beschloss ich das ganze Wochenende in Nordirland zu verbringen. Samstag verbrachte ich den gesamten Tag in den Bergen und bin kaum aus dem Staunen gekommen. Die Wanderung hatte es aber auch in sich und ich bin froh über die letzten Wochen etwas Erfahrung gesammelt und vor allem Ausdauer aufgebaut zu haben. Sonntag habe ich meine Rückreise von Belfast aus gebucht, um die Hauptstadt Nordirlands noch etwas zu erkunden. Von Newcastle bin ich etwa eine Stunde mit dem ÖPNV weiter in den Norden gefahren. Besonders interessiert hat mich die Titanic Experience. In Belfast wurde die Titanic vor über 115 Jahren gebaut und ist von dort aus erstmalig abgelegt. Zur Erinnerung wurde eine Museum errichtet, das sich vor allem auf die Konstruktion der Titanic fokussiert und ihren Weg von Skizze zu Meeresgiganten. Das Museum ist interaktiv gestaltet bot verschiedene Perspektiven auf dieses tragische Ereignis.
Woche 8:
Meine letzte Woche gestaltete sich als bittersüß. Mit der Gewissheit, dass das sichere Ende meiner Zeit in Irland in Reichweite ist, versuchte ich meine letzten Momente bewusst zu genießen und wertzuschätzen. Ich ging meine liebsten Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt ab, aß bei meinen liebsten Restaurants und schätzte auch meine letzten Momente mit meinen Kollegen. Ein Highlight war mein Besuch im Theater. Schwanensee wurde aufgeführt und ich ergatterte eine Karte. Ein traumhaftes Erlebnis.
An meinem letzten Arbeitstag wurde ich auf herzerwärmende Weise verabschiedet. Das Team überbrachte mich mit Kuchen, Prosecco, einer Karte und Abschiedsgeschenken, darunter eine Kette mit der Eingravierung „Irish at heart“. Dabei musste ich definitiv ein paar Tränen verdrücken. Nach einem abschließenden Gespräch mit der Personalabteilung verabschiedete ich mich einzeln bei meinen Kollegen und kehrte dem Conrad den Rücken. Hoffentlich nicht zum letzten Mal, da mir meine Chefin angeboten hatte, sollte ich je wieder nach Dublin reisen, könne ich ein Zimmer zum Bruchteil des Preises buchen. Auf diese Angebot würde ich nur zu gerne zurückkommen.
Meinen letzten Tag verbrachte ich etwas ruhiger. Vormittags ging es für mich ins EPIC (Every Person Is Connected) Museum. Dieses stellt die Geschichte der irischen Emigration in alle Welt dar und zeigt, welchen Einfluss die Iren auf den Rest der Bevölkerung hatten.
Daraufhin fuhr ich nach Howth, einer Halbinsel in Dublin, wo ich meine letzte Portion Fish and Chips verzehrte und einen Klippenspaziergang machte. Ein letztes Mal nahm ich die Natur, das Meer, das Grüne und die Ruhe auf, bevor ich mich schweren Herzens nachhause begab und meine Sachen packte.
Ich verfasse diese Zeilen gerade aus dem Flugzeug. Die letzten 8 Wochen waren ein absolutes Geschenk. Ich habe Erfahrungen gesammelt, für die auf ewig dankbar sein werde. Ich bin als Menschen gewachsen und habe eine nachhalte Transformation durchgemacht. Ich habe Menschen kennengelernt, die ich hoffentlich noch eine Weile kennen werde. Ich habe Hürden überwunden, Initiative ergriffen und mein Selbstbewusstsein gestärkt. Besonders habe ich jedoch die Beziehung, die ich zu mir selber habe, neu definiert. Ich habe festgestellt, wie sehr ich Zeit für mich schätze und absoluten Frieden in Momenten des Alleinseins gefunden.
Impressum:
Cinderella Abeso
cinderella.abeso@oszlss.de
Schule: https://www.osz-louise-schroeder.de/
Betrieb: https://www.bmz.de/de
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